Klangsinnlichkeit und Bombast
Jubiläumskonzert: Philharmonischer Verein feiert zehnjähriges Bestehen in der Stadthalle
[...] Die Solisten könnten nicht brillieren, stünde ihnen nicht ein hervorragend disponiertes Orchester, das Collegium Musicum, zur Seite. Michael Millard leitete es punktgenau, die farbenfrohe Klangsinnlichkeit eines Richard Strauss arbeitete er genauso heraus wie den - teilweisen - Bombast eines Giacomo Meyerbeer, dessen "Festouvertüre" den Zuhörern noch lange nach dem Schlussapplaus die Ohren klingeln ließ.
Werner Ziegler, Main-Echo vom 29.09.2014
Ein Kraftwerk in C-Dur
Cellistin Luise Buchberger fasziniert mit unbekanntem Cellokonzert von Anton Kraft im Ridingersaal
Das Collegium Musicum entwickelt sich immer mehr zu einem Haydn-Spezialisten. Es spielt unter seinem langjährigen Leiter Hubert Buchberger mit einer Flexibilität und Eleganz, mit Esprit und Grazie, die den Zuhörer immer wieder in Erstaunen versetzen. Ein wahres Fest für die Streicher waren die beiden Sinfonien, die beim Schlosskonzert den Rahmen für zwei Cellokonzerte bildete.
Werner Ziegler, Main-Echo vom 20.05.2014
A bisserl beschwipst
Collegium Musicum wirbelt bei "Champagner Musicale" in der Stadthalle durch Werke von Mozart und Strauß
A bisserl beschwipst konnte man schon werden beim "Champagner Musicale" am Samstagabend in der ausverkauften Stadthalle. Denn unter dem Motto "mit Brief und Siegel" ging es im schwindelig machenden Wirbelwind-Tempo durch die musikalische Parallelwelt von Mozart bis Johann Strauß junior, in der getanzt, geturtelt, geliebt, geeifersüchtelt, intrigiert und vor allem das süße Leben genossen wurde. [...]
[...] Es gab Ausschnitte aus den Operetten "Der Zigeunerbaron" und "Die Fledermaus" von Johann Strauß Sohn und zwei feine Polkas von dessen Brüdern: den hochfliegend optimistischen "Hektograf" von Eduard Strauß und das prima überzeichnete "Eingesendet" von Josef Strauss.
Das Aschaffenburger Orchester Collegium Musicum, das bewundernswerten Schmelz und unglaubliche Flexibilität unter der sehr energischen Leitung von Michael Millard bewiesen hatte, überraschte mit Leroy Andersons lustiger Komposition "The Typewriter" von 1950. Das Zugaben-Stück, bei dem der Percussionist eine echte alte Schreibmaschine klappern und ausrasten ließ, passte zum Thema. [...]
Melanie Pollinger, Main-Echo vom 24.02.2014
Schmerzhafte Berührung
Karl Jenkins' "The Armed Man" in einer Gemeinschaftsleistung Aschaffenburger Kulturinstitutionen
[...] Die Besucher waren tief beeindruckt von der Gemeinschaftsleistung des Aschaffenburger Oratorienchors, des Orchesters Collegium Musicum, der Solisten Regina Wahl (Mezzosopran) und Michael Dahmen (Bariton) sowie des Aschaffenburgers Imams Ahmet Ali Kurt. [...]
Wie ein imposantes altmeisterliches Gemälde formten der Oratorienchor und das Collegium Musicum den Eingangssatz "Der bewaffnete Mann". Dessen zentrale Melodie tauchte im Schlusssatz "Friede ist besser" wieder auf und wurde transformiert. [...] Chor und Orchester agierten mit höchster Präzision und wie vom gleichen Atem beseelt. [...] [Die] Klimax der Zerstörungswut, in der sich die üppige Schlagzeugbesetzung austoben konnte, war gelungen. Das Schreckensszenario mit Todesschreien und blutgetränkten Bildern ging unter die Haut.
In den folgenden Sätzen durfte tröstliche Trauerarbeit geleistet werden. Das "Agnus Dei" war ein zaghaftes Gebet aus der Tiefe, "Nun, da die Waffen schweigen" ein tränenerstickter Nachruf auf den gefallenen Freund und das "Benedictus" einfach himmlisch. Mit dem von Andreas Lippert atemberaubend schön gespielten Cello-Solo war es der Höhepunkt des Abends. [...]
Melanie Pollinger, Main-Echo vom 22.10.2013
Feines Spiel am Flügel
Das Collegium Musicum mit gelungenem Saisonauftakt - Mozarts Finesse und Brahms' Klanggewalt im Aschaffenburger Stadttheater
Mit einem musikalischen Kraftakt begann das Collegium Musicum unter der Leitung seines Chefdirigenten Hubert Buchberger im Aschaffenburger Stadttheater die neue Saison: Mozarts Klavierkonzert verlangt nicht nur vom Solisten virtuoses Spiel, Brahms' erste Serenade ist in weiten Teilen seinen Sinfonien ebenbürtig. Und auch das Einspielstück, die "Danses concertantes", die Igor Strawinsky 1942 [...] komponierte, hatten es in sich. Den hochkonzentrierten Orchestermusikern gelang es, die wechselnden Stimmungen und die ironischen Brechungen von Strawinskys Ballettmusik zu vermitteln. Energiegeladen stürmen sie im einleitenden Marsch voran, sind im zweiten Satz einerseits zögernd, verhalten, geraten ins gewollte musikalische Stottern und lösen doch alles wieder im resoluten Zugriff der unisono spielenden Streicher auf. [...]
[...] Ein Lehrstück in Sachen Anschlagskultur machte die [...] Pianistin Anca Lupu aus dem bekannten Klavierkonzert C-Dur (KV 467) von Wolfgang Amadeus Mozart. [...] Das Orchester war ihr angemessener und ebenbürtiger Partner, der nie dick aufspielte und der die Klangbalance aufmerksam wahrte. [...]
[...] Der Beginn des ersten Satzes [von Brahms' erster Serenade] mit den Naturklängen im Horn entfaltet sich rasch zum vollen Orchester und die akkurat spielenden Streicher trafen auch schnell diesen typischen, samtenen Brahmsklang, dessen Erregungskurven sie im Zusammenspiel mit den gut disponierten Bläsern voll ausreizten.
Die immer wieder auftauchenden Veränderungen von Takt und Rhythmus und ganz besonders die ständigen Stimmungswechsel gelangen dem Collegium Musicum unter der umsichtigen und präzisen Leitung von Hubert Buchberger ausnehmend gut: Der Wechsel vom sprunghaften Anfang zum elegischen Walzer im ersten Scherzo wirkte genauso überzeugend wie das mitreißende bäuerlich-rustikale Stampfen am Ende der Serenade. Alles in allem war dies ein Saisonbeginn, der alle Erwartungen nicht nur befriedigte, sondern übertraf.
Werner Ziegler, Main-Echo vom 08.10.2013
Traurige Abschiede, wunderbare Musik
Collegium Musicum spielt überwiegend melancholische Klänge im Aschaffenburger Schloss und erntet viel Beifall
[...] Das Collegium Musicum spielt dieses expressive Werk [Anton Weberns Langsamer Satz für Streichorchester] mit äußerster Delikatesse, Hubert Buchberger führt die Musiker zu einem hochemotionalen Ausbruch, der mit verhaltenen Soli von Cello und später Viola, begleitet von warmen, tropfenden Pizzicati ausklingt.
An Paul Hindemith [...] erinnerten zwei Werke, die beide explizit als Trauermusik komponiert wurden. In "Melancholie" nach vier Gedichten von Christian Morgenstern sang die Mezzosopranistin Karina Schoenbeck mit klarer Akzentuierung und ausdrucksvollem Timbre ihren atmosphärisch dichten Part. Peijun Xu [...] spielte die vier kurzen Sätze der "Trauermusik für Viola und Streicher" mit einem ins Gemüt dringenden, warmen und intensiven Ton. [...]
[...] Grandioser Abschluss nach der Pause waren die "Metamorphosen", die "Verwandlungen", die der greise Richard Strauss in tiefer Verzweiflung angesichts des apokalyptischen Endes des zweiten Weltkriegs als Abgesang auf eine untergehende beziehungsweise untergegangene Zeit schrieb. Die Dramaturgie ist klassisch: Zwei langsame Teile umrahmen einen emotionalen Ausbruch im "Agitato" ("Heftig bewegt"), dem eine eindrucksvolle Generalpause folgt, in der alle Stimmen schweigen. Eine Art schwarzes Loch tut sich auf. Danach wurde das schon immer präsente Thema des Trauermarsches aus Beethovens "Eroica" von der Viola so aufgegriffen, dass sich Gänsehaut einstellte. Ermattet schleppt sich das Werk zum finalen Moll-Akkord.
Das Collegium Musicum spielt diese "Studie", in der zeitweise jeder Spieler zum Solisten wird, hochkonzentriert, präzise und vor allem emotional überzeugend; Hubert Buchberger vereint Akkuratesse im Schlag und Einsatz mit Begeisterungsfähigkeit für dieses Werk. [...]
Werner Ziegler, Main-Echo vom 18.06.2013
Unerschöpfliche Farbpalette
Gelungener Auftritt von Elena Graf und Collegium Musicum Aschaffenburg
Bekanntes von Mendelssohn und Mozart in Vollendung, dazu zwei Überraschungen aus dem 18. und 20. Jahrhundert hat das Aschaffenburger Collegium Musicum am Sonntagabend den über 200 Zuhörern im Ridingersaal geboten. Krönung des Abends war der brillante Auftritt der international renommierten jungen Geigerin Elena Graf. [...] Selten bekommt man das Konzert in d-Moll für Violine und Streichorchester von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) so kraftvoll, klar und farbig geboten. Schon in der Orchesterexposition, als das Soloinstrument noch schwieg, zeichnete sich das ab. Das Collegium Musicum hatte sich wieder einmal bewundernswert [...] auf einen begnadeten Solisten eingespielt.
[...] Beglückend kraftvoll, lebendig und klar gestaltete das Orchester auch das Schlussstück des Abends, die Sinfonie in B-Dur KV 319 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791). Auch hier keine Spur von Weichzeichner. Statt dessen dynamische und zugleich sorgfältige Strukturierung des ersten Satzes Allegro assai mit der frischen Melodie der Geigen am Anfang. [...] Wie ein Blick in den Himmel öffnete sich der zweite Satz Andante moderato: pure Schönheit, die das Orchester auszukosten schien, hoch konzentriert und dabei doch wie in anderen Sphären. [...] Das Finale war fein ziseliert wie Rokoko-Ornamente, und doch voller Kraft und Biss mit seinen lebhaften Streicherarpeggios und reich verzierten Bläsermelodien.
Mit überbordender Buntheit des Klangs hatte das Konzert begonnen. [...] Überaus spannend und kontrastreich gestaltete das Collegium Musicum die Sinfonie [Nummer 29 in g-Moll von Franz Xaver Richter (1709 bis 1789)]. Es machte Freude, den bach'schen Pulsschlag in der weit ausholenden "Fuga" zu spüren. [...] Im eleganten Andante arbeitete [das Orchester] mit hörbarem Vergnügen höfischen Pomp heraus und entfachte ein Spielfeuer im abschließenden Presto. [...]
Melanie Pollinger, Main-Echo vom 07.05.2013
Aus der Finsternis zum Licht
Oratorienchor beeindruckt mit Mendelssohns "Lobgesang" und Psalm 95 in der Kapuzinerkirche
[...] Nun haben der Oratorienchor Aschaffenburg und das Collegium Musicum die großartige Symphonie-Kantate (Opus 52) als Ganzes in der Kapuzinerkirche aufgeführt. Die Umsetzung unter der Leitung von Joachim Schüler war von so intensiver Strahlkraft und facettenreicher Harmonie, dass man sich glücklich schätzen konnte, den leider einzigen Aufführungstermin am Samstagabend in der voll besetzten Kirche mitzuerleben. Auch die einleitende Kantate Psalm 95 gestalteten der Chor, das Orchester und die Solisten - die Sopranistinnen Anna Stiny und Josefin Franke sowie Tenor Patrick Grahl - mit packendem Engagement.
[...] Ein Glanzlicht des Abends war die umfangreiche "Sinfonia", der erste Satz im "Lobgesang". Hier konnte das Collegium Musicum sein feinnerviges und heiter gelöstes Zusammenspiel unter Beweis stellen. Es gelangen ihm köstliche Steigerungen und betörende Dialoge. Feierliches wechselte ab mit bezaubernden Reigen, in die man sich als Mittänzer hineingenommen fühlen konnte.
Und die Zuhörer bekamen einen Ohrwurm eingepflanzt mit der Melodie "Alles was Odem hat, lobe den Herrn", die als Erinnerung an den gelungenen Abend noch lange nachklang. Behutsam getragen vom Orchesterspiel entfalteten sich die folgenden neun Sätze zu faszinierenden Klangbildern. Elektrisierende Spannung bauten die Musiker zu beginn des zweiten Satzes "Alles was Odem hat, lobe den Herrn" auf. [...]
Melanie Pollinger, Main-Echo vom 22.10.2012
Höhenflug des Ausdrucks
Veranstaltung "Rhythm in Concert" begeistert die Besucher in der ausverkauften Stadthalle
Eigentlich war es zu viel des Schönen, Gelungenen, Faszinierenden bei der Veranstaltung "Rhythm in Concert" am Samstagabend in der ausverkauften Aschaffenburger Stadthalle. Atemlos sogen die 1200 Gäste selbst noch die fulminanten Zugaben - Strawinskys "Feuervogel"-Finale und den Tanz "Clapping" - in sich auf, erschöpft und doch wie süchtig nach einem Nachschlag dieser superben Köstlichkeiten. [...]
Was zuerst loben? Beginnen wir mit den Tanzgruppen, denen das Collegium Musicum eine exzellente musikalische Grundlage bereitete mit seiner Fähigkeit, sich elegant im breiten Spektrum zwischen pointierter Präzision und hauchzarter beseligender Behutsamkeit zu bewegen, etwa zwischen Anton Dvoraks Slawischem Tanz opus 72 Nummer 7 zu Beginn des Abends und dem Walzer-Divertimento aus Leonard Bernsteins "West Side Story". [...]
Dass neben so viel mitreißender Bewegung zu gut austarierten Lichteffekten auch die Musik immer wieder aufs Neue bewegte, daran hatten die Solisten des Abends großen Anteil: Pianist Christopher Miltenberger in Dimitri Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert - unvergesslich der zweite Satz mit kostbaren Perlenschnüren aus Klaviersequenzen und den sie zart umfangenden Streicherbögen -, Oboistin Flavia Klotz in Astor Piazollas "Oblivion" mit ätherischem Ausdruck und Geigerin Josephine Nassiopulos im "Danse macabre" von Camille Saint-Saens.
Wohliges Gruseln, spinnwebzart, wechselte mit eleganten Walzerpassagen, so wie auch der Abend ein reizvolles, mitunter sehr anspruchsvolles Wechselspiel zwischen den Musikstilen war. [...]
Melanie Pollinger, Main-Echo vom 08.10.2012
Töne aus dem Geisterhaus
Schlosskonzert im Ridingersaal - Helenos-Streichquartett als Gast
Immer wieder gelingt es dem Collegium Musicum unter der Leitung von Hubert Buchberger ein vielen Zuhörern unbekanntes Werk wie ein weißes Kaninchen aus dem großen schwarzen Zylinder der klassischen Musik zu ziehen. So auch beim Sonntagabend-Konzert im Ridingersaal des Schlosses [...].
[...] Das Collegium Musicum stellte sich erfolgreich den Anforderungen, lieferte die rhythmische Präzision die die mächtige Schlussfuge verlangt, es musizierte perfekt die vielen Unisono-Stellen, die absoluten Gleichklang im Strich erfordern. Selbst die herabstürzenden Klangkaskaden wurden, mit leichten Einschränkungen, brillant gemeistert. [...]
Das Collegium Musicum unter Hubert Buchberger setzt [...] Bartoks Dramaturgie, die auf Steigerung und auf Ausbruch der Gegensätze beruht, konsequent um. Es herrscht eine bedrohliche Stimmung, die Angst macht und zugleich fasziniert. Einsame Solostimmen im Diskant stellen sich dem gewalttätigen Tutti entgegen [...].
[...] Lebhafter Beifall zeigte, dass auch mit einer Programmkonzeption jenseits des immer Gleichen ein musikalisch interessiertes Publikum gewonnen werden kann.
Werner Ziegler, Main-Echo vom 20.06.2012