Newsletter April 2019

Liebe Freunde des Collegium Musicum Aschaffenburg,
 
mit der Ankunft der hellen und warmen Jahreszeit nähern sich auch wieder unsere beiden Schlosskonzerte, auf deren erstes ich Ihnen heute Lust und Vorfreude machen möchte. Es wird ein lauschiger Serenadenabend sein, zu dem die Stadt Aschaffenburg, unser Dirigent Michael Millard und wir Sie am Sonntag, dem 12. Mai um 18.30 Uhr im Ridingersaal des Schlosses Johannisburg einladen.
Wir beginnen mit Antonín Dvoráks Serenade d-Moll op.44 für zehn Holzblasinstrumente, Violoncello und Kontrabass. Ich weiß gar nicht, worüber man bei dieser Musik am meisten staunen soll: über Dvoráks unendliche Fantasie beim Erfinden eingängiger Melodien (alle mit "Ohrwurm-Qualität" und von böhmischer Folklore inspiriert), über seine rhythmischen Raffinessen oder seine hohe Kunst des Klangfarbenzaubers durch geschickte Instrumentation.
Als Pendant erklingt nach der Pause die Serenade A-Dur op.16 von Johannes Brahms. Obwohl kleiner besetzt und weniger bekannt als dessen op.11 ist sie doch von großer Anmut und enthält alle Kunstfertigkeit und Gefühlstiefe, die man etwa von Brahms' Sinfonien kennt. Freilich ist der heitere Serenadenton vorherrschend, und wie bei Dvorák wird der Hörer z.B. im Scherzo rhythmisch ganz schön "durchgeschüttelt". Im dritten der fünf Sätze wiederum stimmen die tiefen Streicher – auf Geigen wird ganz verzichtet – ein geheimnisvolles Strömen und Weben an, welches den Hörer so manchen Gruselschauer über den Rücken laufen lässt. Einem sich wiegenden Menuett folgt schließlich mit dem 5. Satz ein fröhlicher Kehraus, dessen vitaler Lebensfreude man sich einfach nicht entziehen kann.
Eingerahmt von diesen beiden Serenaden ist Paul Hindemiths Konzert für Viola und kleines Orchester "Der Schwanendreher". In Nazideutschland verfemt und mit einem quasi Aufführungsverbot seiner Werke zum Schweigen verdammt, musste Hindemith 1935 zur Uraufführung dieser Komposition nach Amsterdam gehen, von wo aus diese dann ihren Siegeszug über die damals freie Welt nahm. Das Konzert basiert auf altdeutschen Liedern wie "Zwischen Berg und tiefem Tal", einer Melodie der Trennung und des Abschiedsschmerzes, "Nun laube, Lindlein, laube!", wo es im Text an einer Stelle heißt "nicht länger ich's ertrag', hab ein' gar traurig' Tag" oder das kecke "Der Gutzgauch auf dem Zaune saß" (Der Gutzgauch bzw. Kuckuck wurde in der Volkspoesie als etwas Gefährliches gebrandmarkt). Mit dem letzten Satz in dem das fröhliche Lied "Seid Ihr nicht der Schwanendreher?" (=Wärter des Geflügels) erklingt, beschließt dann doch ein übermütiger und ausgelassener Ton das Werk.
Als Solist an der Bratsche konnte der 1. Preisträger des letztjährigen ARD-Wettbewerbs Diyang Mei gewonnen werden, was ein fantastisches Hörerlebnis verspricht.
Gern lädt der Philharmonische Verein seine Mitglieder und alle, die es werden wollen, zur Teatime im Schloss um 17.30 Uhr ein, bei der Michael Millard mehr über die Werke des Abends verraten wird.
Karten erhalten Sie wie gewohnt an der Theaterkasse (Tel. 06021-3301888 oder E-Mail an theaterkasse@aschaffenburg.de).
 
Ihr Andreas Lippert